Die Stunde Null

Man kann nur erahnen, wie sich die Menschen vor 75 Jahre, gegen Ende des Krieges und kurz danach gefühlt haben müssen. Stunde Null nannte man das auch. Man hatte alles verloren, vielleicht noch sein eigenes Leben und das einiger Familienmitglieder oder Freunde. Momentan erleben wir wieder eine Stunde Null. In ganz anderen Dimensionen allerdings. Die meisten von uns leben noch, einige haben Ihr Leben aber schon verloren, einige verlieren gerade Ihre Existenz oder verschulden sich mit “Hilfskrediten”, um dann bei -1 und nicht bei 0 anzufangen.

Alles nichts im Vergleich zum April und Mai 1945. Aber gemessen an den Stand, den diese Gesellschaft, dieses Land und dieser Kontinent seitdem erreicht haben, ist der Begriff Stunde Null wohl auch nicht so weit aus der Luft gegriffen.

Es wird kein Stein auf dem anderen bleiben. Das war vor 75 Jahren anders. Es war schon kein Stein mehr auf dem anderen. Wir müssen hingegen erst einmal abreißen. Allen voran die irrsinnigen, unfähigen Strukturen samt der dazugehörigen Personen, die dieses Land Jahrzehnte gelähmt haben, es immer noch tun und uns dabei erzählen, wie toll sie sind. Ja, Herr Spahn – genau jetzt muss man über die Versäumnisse reden – die sind ja die Ursache der desolaten Situation – nicht das Corona-Virus an sich. Auch wenn Sie es nicht hören wollen.

Eine Sendung im zweiten deutschen Staatsfernsehen bot heute einen frontalen Anblick auch dazu. Mehr kann man dann aber auch nicht ertragen. Die händewaschende Flintenuschi ist auch als Satire eine echte Zumutung und sie wird sich noch wünschen, das Video wäre nie gedreht worden.

In der Sendung ging es auch um das Thema Landwirtschaft und die Grundversorgung. Da bin ich wieder bei der Stunde Null. Seit vier Wochen kein Mehl und keine Hefe, ich hatte ja schon davon berichtet. Das war meine kleine Stunde Null in diversen Supermärkten des Königreichs. Heute nun kam das bestellte Mehl aus Süddeutschland. Der Urkornshop hat sehr schnell geliefert, vielen Dank dafür!

Die Hefe von Backfun kam vorgestern. Viele Online-Händler weisen immer noch Lieferzeiten von 10 oder 20 Tagen aus oder nehmen keine Bestellungen an. Hier läuft wohl einiges schief.

Die Revolution nach Corona wird kommen. Die Frage wird nur sein, wie viele Köpfe (im übertragenen Sinne) rollen werden und wie schnell. Aber das ist Stoff für zukünftige Beiträge, ich will ja konstruktive Kritik liefern und gewaltfrei kommunizieren. Weitere Artikel sind in Vorbereitung – nach jedem Laufen in der Mittagspause schreibe ich die sauerstoffdurchfluteten, frischen Gedanken auf und lasse so meine Vision schrittweise klarer werden.

Passend zum heutigen Artikel habe ich die Fortuna-Mühle aus Struckum in Nordfriesland als Titelbild herausgesucht. Ich hätte fast die Mehlsäcke genommen, aber dann erinnerte ich mich an Fortuna und Hannes Wader.

Fortuna Windmühle in Struckum

Dazu kann ich noch ein wenig weiter ausholen. Die beiden Fotos der Mühle habe ich an meinen Geburtstag vor 10 Jahren gemacht, damals noch mit meiner Nikon D200 und einem Zeiss Planar 85 mm-Objektiv. Das waren damals die letzten Fotos mit dieser Kamera. Es war eine schöne Kombination. Aber das Bessere ist wie so oft der Feind des Guten. Und einen Monat später hatte ich dann das Geld zusammen für meine erste Leica, eine M9.

Die Mühle in Struckum wurde in den 1970er Jahren von Hannes Wader bewohnt. Ich wohnte seit 1967 in Bredstedt, 1971 bis 1974 in Husum. Wir sind unzählige Male an dieser Mühle vorbeigefahren, sie hat mich als kleines Kind schon fasziniert. Und die Platte von Hannes Wader (Plattdeutsche Lieder, 1974) kam gerade heraus, als ich Nordfriesland für viele Jahrzehnte verlassen musste.

Fortuna Windmühle in Struckum

Während ich diese Zeilen schreibe, läuft “De Moel” – den Text hat Klaus Groth geschrieben – und ich ging damals auf die Klaus-Groth-Schule. Irgendwie passt ja alles zusammen.

Bleibt gesund, plant Eure Zukunft und denkt an die Revolution, die wir nach Corona alle brauchen. Dazu noch ein Lied von dem alten Revolutionär. Seid dankbar, wenn es Euch gut geht und Ihr Arbeit habt, die Euch über die nächsten Monate bringt. Ich bin dankbar dafür.