Gesperrt

Nicht nur dieser Golfplatz in Langenhagen. Sondern im Moment unser Leben. Jetzt. Aber vielleicht noch für einen viel längeren Zeitraum. Das Schild auf dem Titelbild bräuchte eigentlich noch den Zusatz „Corona“ Turnier. So ein wenig Turnier-Atmosphäre kam gerade bei der sonntagabendlichen, GEZ-finanzierten Gesprächsrunde der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland auf. Professor Kekulé hat den Finanzminister doch ganz schön unter Druck gesetzt. Nicht einfach, weil es ihm Spaß macht, sondern weil es notwendig ist. Kekulé ist einer der wenigen Lichtblicke mit den klaren Ansagen, die nach einer ruhigen Analyse erfolgen.

Und so muss sich der Vizekanzler fragen lassen, wer denn wirklich in Berlin die Fäden zieht, wer was organisiert. Und er lege sich auch gerne noch mal mit dem Gesundheitsminister an. Aber auch Mutti hat ihre deutliche Ansage bekommen. Erst am 19.4. zu schauen, wie danach weitergeht, ist natürlich zu wenig. Man muss die Optionen fix und fertig durchgeplant haben. Aber offensichtlich haben die verantwortlichen Personen das nicht.

Irgendwann hat die letzten Tage mal jemand gesagt, die Situation sei so neu, dafür gebe es noch kein Drehbuch. Ich kann da nur sagen: die Personen, die sich anmaßen, über unsere Zukunft entscheiden, müssen die Kreativität und den Sachverstand besitzen, jederzeit aus dem Nichts ein komplettes Drehbuch für ein paar Wochen zu schreiben – und zwar sofort. Neue Situation hin- oder her, das ist deren Auftrag. Und das Ergebnis ist dann auch fehlerfrei kommunizieren. Vieles davon findet leider nicht statt, und das sorgt nicht dafür, dass die Stimmung besser wird.

Aber jetzt will ich meine abendliche Restenergie dazu einsetzten, mich mit positiven Bildern und Gedanken zur Nachtruhe zu begeben und meinen Lesern raten, sich ebenso mit überwiegend positiven Dingen zu befassen. Nicht ohne sich einmal am Tag den Quatsch anzuhören, der in Berlin und sonst wo verzapft wird – denn man sollte immer auf den schlimmsten Blödsinn aus dieser Richtung gefasst sein. Damit wird jede sinnvolle Entscheidung mindestens doppelt so positiv aufgenommen werden.

Die Bilder zu diesem Artikel stammen von gestern, als wir etwa zwei Stunden zu Fuß durch die Seestädte (so heißen die kleinen Orte runde um die feuchten Kaltenweider Wiesen in Langenhagen) unterwegs waren. Unser tägliches Marschgebiet sozusagen. Heute sogar auch mit dem Fahrrad, aber ohne Kamera.

Der Frühling ist überall zu sehen, das Wetter freundlich, weniger Leute als letztes Wochenende unterwegs. Alles in allem doch recht gespenstisch, gerade der fast menschenleere Golfplatz – der ist gut gepflegt und wartet eigentlich nur, bespielt zu werden. Ich spiele selbst kein Golf, bin aber gerne auf dem schönen Platz unterwegs bleibe auch ab und zu mal stehen, um mir ein paar Schläge anzusehen. Ich freue mich schon, wenn das wieder soweit ist.

Das angrenzende Polo-Spielfeld wurde gestern frisch gemäht. Es waren auch einige Reiter auf den Wegen unterwegs – hier draußen ist praktisch ein Pferdestall neben dem anderen. Und es herrscht nach wie vor eine himmlische Ruhe. Ein Privatmaschine aus Kiel war im Anflug auf den Flughafen – das war alles für den ganzen Samstag.

Ich bin gespannt, was die neue Woche bringt, welchen Entwicklungen wir in der Krise sehen werden und auf was wir und vorbereiten müssen. Auf jeden Fall bleiben wir so ruhig und gelassen wie es geht. Man darf sich aber ruhig auch ärgern über das, was nicht klappt. Und dann wieder freuen auf das, was nach diese Krise anders wird. Es wird vieles anders werden, da bin ich mir sicher.