Unterwegs bei Ausgangssperre

Die andauernden Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen stellen die Gesellschaft auf eine harte Probe. Ich will die Sinnhaftigkeit der Kontaktbeschränkungsregeln und der sonstigen Hygienemassnahmen nicht grundsätzlich in Frage stellen, aber die Verhältnismässigkeit bei der Umsetzung ist schon lange nicht mehr gewahrt. Und es deutet sich wohl an, dass dieses Land demnächst in ein noch größeres Chaos stürzen wird.

Ich hoffe ja immer noch, dass alles irgendwie halbwegs gut ausgeht, auch wenn die persönlichen und gesellschaftlichen Schäden am Ende überwiegen werden. Die Tragik liegt m.E. darin, dass diese Entwicklung mit etwas gesundem Sachverstand der zuständigen Entscheidungsträger zur rechten Zeit sehr leicht hätte vermieden werden können.

Wenn man so in der Mittagspause mit der Kamera an einem grauen Wintertag unterwegs ist, um den Kopf wieder frei zu bekommen von der Arbeit am Computer oder dem dummen Geschwätz in den Nachrichten, dann hilft ein radikaler Wechsel des Betrachtungswinkels und der Fokussierung ganz entscheidend.

Ich schraube dann mein 30 Jahre altes Makroobjektiv mit Nahlinse und Adaptern auf die SL2 und erfreue mich an der Entschleunigung, die diese Art der Fotografie mit sich bringt. Makro-Aufnahmen ohne Stativ von wackelnden Zweigen und Gräsern haben auch gleich noch einen kleinen Trainingseffekt für die tiefer liegenden kleinen Muskeln des Körpers

Ich mag ja die Reduktion der Schärfe in der Fotografie auf einen Bruchteil des gerade noch Wahrnehmbaren. Im Makrobereich kann man hier besonders damit spielen und Formen und Farben wieder anders betonen oder dezent in der Unschärfe des Bildes ausblenden oder auf wenige Farben reduzieren.

Hier also meine kleine Auswahl von 12 der 94 Fotos, die während des etwa einstündigen Spaziergangs entstanden sind.

Man kann sich entweder über das Januar-Grau und das politikgemachte Corona-Chaos ärgern oder an den kleinen Dingen erfreuen, die das Leben eigentlich ausmachen. Solange wir noch die Entscheidungsfreiheit darüber haben. Wenn das aufhört, dann wird es dunkel werden. Überall. Und das Risiko besteht.

Die leuchtenden Farben der Hagebutten, Ilex-Beeren und der Rainfarn-Blüten und die dicken Knospen der Büsche sollen aber den Betrachter motivieren, sich an den postiven Gedanken zu orientieren. Auch wenn natürlich in dieser Jahreszeit die Vergänglichkeit allgegenwärtig ist, in der Form vertrockneter Gräser oder Früchte der Bäume und Büsche am Wegesrand.

In diesem Jahr passiert mehr als nur der Wechsel der Jahreszeiten. Eher eine Zeitenwende. Leider immer noch mit ungewissem Ausgang.

Als kleine Ergänzung hier ein paar Fotos der Motive mit dem iPhone. Hier sieht man dann etwas ganz anderes. So wie in der gegenwärtigen Situation. Der Wechsel zwischen diesen Perspektiven ist wie ich finde hilfreich und notwendig für die Gesamteinordnung.

Die gewählten und selbsternannten Entscheidungsträger der Republik und ihrer Fürstentümer sitzen hingegen in ihren eigen Blasen und sehen die Welt mit ihrem Tunnelblick. Wenn sie denn überhaupt noch was sehen.